Panorama ohne Ende
Das Rheintal ist weit unten der ständige Begleiter auf dieser Tour
Die Sagen von den Drei Schwestern
Man mag vom Fürsten von und zu Liechtenstein halten, was man will. Aber das Ländle, über das er herrscht, ist ein schöner Fleck auf unserer Erde. Nicht wegen der Städte, die sich dem Rhein entlangziehen. Auch nicht wegen der Dörfer, die sich an den teils recht steilen Hängen ausbreiten. Sondern vor allem wegen der Berge, die das Ländle gegen Österreich und die Schweiz abgrenzen, und da ganz besonders wegen der Drei Schwestern. Drei Kalkzapfen ragen oberhalb des Fleckens Planken in den Himmel und bilden den Anfang eines schlicht grandiosen Gratwegs. Seit mehr als hundert Jahren zählen der Drei-Schwes¬tern-Steig und der Fürstensteig zu den kühnsten Weganlagen des Räti¬kon. Leitern und Seile, Tritte und Stifte helfen dem trittsicheren Bergwanderer über ausgesetzte Wegstellen. Bei stets wechselnden Bildern bewegt er sich im Fels, quert ein Felsenfenster, sieht über senk¬rechtem Fels ein Kreuz, turnt über einen abgeschliffenen Felskopf und steigt über feste Tritte zu einem Weidebord ab.
Garsellikopf (2105 m ü. M.) und Kuhgrat (2123 m ü. M.) sind die höchsten Erhebungen der Drei-Schwestern-Kette. Der Blick von diesen alpinen Logen ist unbeschreiblich schön und kontrastreich. 1500 Meter unter uns breitet sich im Westen das Rheintal mit seinen Dörfern aus, ostwärts blicken wir hinunter zum einsamen, unwirtlichen Samina tal. Gegen Süden hin baut sich der Rätikon auf, von den sanften Bergtälern und grünen Alpen bis hin zur wild aufgetürmten Falkniskette. Über dem Walgau zieht sich der lange Walsergrat ostwärts, und über den Graten der Hohen Köpfe erspähen wir die Berge des Lech¬quellengebirges. Beidseits des Toggenburgs türmen sich schliesslich der Alpstein und die Churfirsten. Alle diese Berge gehören wie auch die Drei Schwestern zu einem System von Kalkbarrieren, die im Zuge der Alpenfaltung jäh auf das in Hebung begriffene Zentralmassiv aufbran¬deten und jetzt langsam, aber sicher vom Wasser zerfressen werden und erodieren. Im Schutt und in den Felsritzen blühen derweil kalkliebende Blumen, Enziane und Soldanellen neben Alpenastern und Glockenblu¬men, weil manchmal der Schnee bis im Sommer in den Runsen liegt.
Der Fürstensteig, das noch kühnere Gegenstück zum Drei-Schwes-tern-Steig, schlängelt sich in grossartiger Felsszenerie gegen Gaflei. Aber überall findet die Hand ein sicherndes Seil. Ein alter Rohrzaun führt vermeintlich ins Bodenlose, die Wegspur aber wendet sich zu einem Kamin, der auf einer soliden Holztreppe durchstiegen wird. Wir blicken auf das Werk der Erosion: In wilden Bahnen rollt das Gestein und Geschiebe zu Tal, und manchmal geht auch ein Felskopf mit, auf dem früher der Weg angelegt war.
Gebiet Westlicher Rätikon
Charakterisierung der Tour
Eine Gratwanderung mit dem anderen Blick ins Rheintal und zum Alpstein. Abwechslungsreich, überraschend vom ersten bis zum letzten Schritt. Der Weg ist in beide Richtungen begehbar. Empfohlen ist aber der Start ab Planken/Gafadurahütte (Sonnenstand, Aussicht in die Berge).
Schwierigkeit
T2-T3. Alpine Steiganlagen mit ausgesetzten Stellen (Leitern, Seilsicherungen) für trittsichere und erfahrene Bergwanderer, dazwischen leichter Höhenweg. Umge-hungsmöglichkeiten der kritischen Stellen, dann T1-T2. Durchgehend markiert und gut unterhalten, begehbar ab Mitte Juni (Auskunft Telefon +41 (0)423 232 98 12 oder Gafadurahütte ). Die Tour von Planken bis Gaflei ist recht lang. Die Übernachtung in der Gafadurahütte lohnt sich.
Wanderzeit
Planken-Gaflei: S1!2 Std. (Planken-Gafadurahütte: 1’12 Std.)
Höhendifferenz
Insgesamt rund 1550 m (ab Gafadurahütte 900 m)
Talorte/Ausgangspunkt
Planken (786 m ü. M.), Triesenberg (800 m ü. M.). Gaflei (1483 m ü. M.)
Planken: Kleines Walserdorf auf einer Bergterrasse nord-östlich von Schaan. Zwei Restaurants. Gaflei: Alpweiler nordöstlich von Triesenberg. Hotels, Pensionen, Ferien-wohnungen in Triesenberg .
Mit öffentlichem Verkehr: Postautoverbindungen ab Schaan und Vaduz.
Mit Pw: Von Schaan nach Planken (Parkplatz Reservoir), von Triesenberg nach Gaflei (Parkplatz Nähe Hotel-gebäude).
Gafadurahütte (1428 m ü. M.)
Auf der Gafaduraalpe gelegen. 50 Plätze, bewartet von Pfingsten bis Oktober. Reservation:
Telefon +41 (0)79 260 14 58.
Zustieg von Planken über teils recht steilen Wanderweg im Wald, T1.
UnterkunftlVerpflegung unterwegs Gafadurahütte (siehe oben)
Wegbeschreibung
Von der Gafadurahütte auf markiertem Wanderweg zum Sarojasattel. Unsichere Berggänger können den Drei-Schwestern-Steig leicht ansteigend am Osthang der Drei Schwestern über die Garsellaalpe und weiter durch ein liebliches Alptälchen aufsteigend umgehen. Geübte und schwindelfreie Berggänger steigen über den markierten Drei-Schwestern-Steig zu den Felstürmen auf (Leitern und Seilsicherungen). Vorne beim Alpspitz gibt es wiederum zwei Varianten: Für die schwindelfreien Berggänger rechts hinunter über den Fürstensteig, für die beschaulicheren Wanderer östlich um den Alpspitz herum (’12 Std. mehr).
Karten
Landeskarte 1 :25 000, 1135 Buchs, 1136 Drei Schwestern Landeskarte 1 :50 000, 238 Montafon
Wanderkarte 1 :25 000, Fürstentum Liechtenstein
Varianten
– Zwischen Kuhgrat und Gafleispitz Abstieg nach Schaan möglich: 1500 Höhenmeter (!), 3 Std., T2.
– Weiter auf markiertem Bergweg über Sücka und Rappastein zur Pfälzerhütte WI2 Std.) Empfohlen als weitere Gratwanderungsetappe.
